Apnoetauchen für Anfänger – wie du in zwei Tagen zum Apnoetaucher wirst

Das Wort „Apnoetauchen“ löst in mir unweigerlich Stress aus. „Luft anhalten“ kommt mir automatisch in den Sinn. Das letzte Mal die Luft angehalten habe ich beim Wetttauchen mit Freunden. Letztendlich kapitulierte ich nach wenigen Metern unter Wasser und wurde Letzte. Das enge Gefühl in der Brust, dieser Druck der entsteht und diese Atemreflexe, wenn einem die Puste ausgeht, machen es unter Wasser echt schwer die Ruhe zu bewahren. Stress also. An Land muss ich erst mal nach Luft schnappen.


Das muss doch aus anders gehen. So erfuhr ich von „Freitauchen“ – das ist das andere gängige Wort für Freediving. So wird das Tauchen mit eigener Atemluft genannt.


Eintauchen - Abtauchen - Auftauchen -

Entspannung kann so einfach sein!


Apnoetauchen, Freitauchen, Freediving im Meer


Ich entschied mich einen Apnoetauch-Kurs bei Daniel Bichsel zu machen. Mein erklärtes Ziel: unter Wasser beim Tauchen entspannter sein, einen längeren Atem haben und weniger Stress. Vielleicht, so dachte ich, machen mir Tauchen und Schnorcheln in heimischen Gewässern dann auch Spaß. Bisher verknüpfte ich Schnorcheln im Meer automatisch mit Wasser schlucken und Unwohlsein. An sich ist Wasser schon mein Element. Ich schwimme gerne, seitdem ich denken kann. Nur unter Wasser Luft anhalten, finde ich unglaublich anstrengend.


Eintauchen


Beim PADI Basic Freediver Kurs lernt man innerhalb von zwei halben Tagen das sogenannte Zeittauchen, bei dem man einfach bewegungslos unter Wasser die Luft anhält. Nach zwei Minuten ruhigem Atmen am Beckenrand sind die Lungen geweitet und der Körper optimal mit Sauerstoff versorgt. Es ist gar nicht so wichtig bestimmte Atemübung zu machen. Für den Anfang reicht ein gleichmäßiger vertiefter Atem. Zwei Minuten lang dem eigenen Atem bewusst folgen, kann einen überraschenderweise unglaublich in die Ruhe bringen.


Abtauchen


Nach zwei Minuten Vorbereitung am Beckenrand nehme ich einen tiefen, zweistufigen Atemzug in den Bauch und in die Brust. Dann tauche ich ab. Weil die Körpertemperatur im kalten Wasser 25 Mal schneller auskühlt, als an Land, trage ich einen Neoprenanzug. Damit kein Wasser in meine Nase gelangt, trage ich eine Taucherbrille dazu. Ich bin nun direkt unter der Wasseroberfläche und habe dank dem Anzug genug Auftrieb, sodass ich mich unter Wasser kaum noch bewege. Mein Tauchpartner nimmt die Zeit und bringt mich immer wieder in Position, falls ich zu weit vom Beckenrand abtreibe. Durch sanftes Zwicken in den Oberarm prüft er, ob ich noch bei klarem Verstand bin. Wenn ich das Zwicken spüre, bewege ich meinen Zeigefinger. Das Wissen darüber, dass jemand den eigenen Zustand überprüft, gibt Sicherheit. Anhand der Farbe meiner Ohren kann mein Tauchpartner sehen, ob ich noch genug Sauerstoff zur Verfügung habe.

Unter Wasser entspanne ich meinen Körper. Ich lasse mich Treiben. Ich spüre die Kälte des Wassers in meinem Gesicht. Ich fühle mich tatsächlich irgendwie entschleunigt. "Ist das der Tauchreflex, der eintritt wenn die feinen Rezeptoren um Mund und Nase mit kaltem Wasser in Berührung kommen und dann automatisch der Herzschlag verlangsamt wird?", frage ich mich.

Unter der Wasseroberfläche ist das eigene Körperempfinden anders. Unmittelbarer. Ich spüre sofort, wo die Spannungen in meinem Körper sind. Ich versuche die Nackenmuskeln zu lösen. Um mich zu entspannen stelle ich mir vor, ich würde weiter Atmen. Ich stelle mir vor, wie der Sauerstoff meinen Körper versorgt. Ich bleibe ganz regungslos und behalte meine Atemluft in der Lunge. Ab und zu spüre ich ein Kneifen an meinem Oberarm und reagiere. Ich fühle mich noch immer sehr entspannt. Dann merke ich wie die Luft so langsam knapp wird. Aber es ist kein plötzliches:

„Oh mein Gott ich brauche Luft!!“, sondern eher ein: „so langsam könnte ich mal wieder einatmen.“

Durch den Freitauch-Kurs weiß ich, dass ich jetzt immer noch Sauerstoff für ein oder zwei Minuten in meiner Lunge habe. Das Wissen darüber, dass ich jetzt nicht gleich ohnmächtig werde, beruhigt mich. Außerdem schaut mein Tauchpartner zuverlässig nach mir und kann mich jederzeit an die Oberfläche holen. Zum Beispiel dann, wenn ich auf das Zwicken in den Oberarm nicht mehr oder nur verzögert reagiere.


Auftauchen


Ich spüre nun zuckende Bewegungen in meinem Brustkorb und beschließe aufzutauchen. Ich schwimme auf den Rand des Schwimmbeckens und halte mich am Rand fest. Dann lasse ich die Luft aus meiner Lunge gleiten und tauche auf. Ich nehme kurz hinter einander dynamisch tiefe Atemzüge ein und atme passiv aus. Dann nehme ich Daumen und Zeigefinger zusammen und gebe so das Handzeichen für: „I’m okay“.

Ich habe überhaupt kein Gefühl dafür wie lange ich unter Wasser war. Normalerweise schätze ich kann ich vielleicht eine Minute unter Wasser den Atem anhalten. Mein Tauchpartner verrät mir die Zeit: 2 Minuten und 59 Sekunden. Ich bin sehr überrascht. Ich konnte mir auf gar keinen Fall vorstellen, dass ich tatsächlich so lange die Luft anhalten kann ohne dabei gestresst zu sein. Das ist auch der Trick dabei. Je entspannter das Körpergefühl ist, je entspannter der Geist, umso länger kann ich Untertauchen. Der Gedanke gefällt mir. In einer Wettkampfsituation beim sportlichen Freediving, das in die Tiefe geht, bedeutet das, dass es ein Vorteil ist, ganz bei sich und unglaublich entspannt zu sein. Eine schöne Vorstellung.

Nach zwei weiteren Tauchgängen kann ich meine Luft ganze 3 Minuten 19 Sekunden anhalten. Verrückt.

Nur vom reinen Luftanhalten und bewegungslosen Verharren fühlt sich mein Körper nach dem Apnoetauchen so an, als hätte ich eine Runde Joggen im Wald hinter mir. Meine Muskeln fühlen sich schwer an, eben so als hätte ich mich bewegt. Das liegt daran, dass meine Muskeln während des Tauchgangs nur anfangs mit Sauerstoff versorgt werden. Dann setzt die anaerobe Zellatmung, wie beim sprinten, ein.

Ich fühle mich gut. Meine innere Nervosität ist einer angenehmen Ruhe gewichen. Ein schönes Gefühl breitet sich in mir aus.


Melde dich hier zum Padi Free Diving, Freitauch- oder Apnoe-Tauchkurs an.

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